Tuesday, 9 November 2010

Historischer Elternbesuch

Hallo Ihr Lieben,

ich gebe zu, dass wahrscheinlich nur noch die treuesten Leser unseren Blog regelmaessig besuchen und deshalb geht an Euch ein herzliches WILLKOMMEN!! :) In diesem Fall muss ich die Schuld fuer die Verzoegerung auch vollstaendig auf meine Schultern laden, da die Ane ja mit ihrem Job und der Aufgabe, die Familie ueber Wasser zu halten, absolut ausgelastet ist. Ich gelobe aber Besserung - zum einen was die Haeufigkeit der Blogeintraege betrifft, zum anderen wird sich mein Zuschuss zur Familienkasse demnaechst auch erhoehen. Aber dazu mehr in einem der naechsten Eintraege. (Ich weiss, ich lehne mich hier mit der Ankuendigung weiterer in Kuerze erscheinender posts weit aus dem Fenster, aber ohne selbstauferlegten Druck laeuft hier nix).

So, nun aber zum Wesentlichen dieses Berichts: Den Besuch meiner Eltern. Wie ja die meisten wissen, haben die sich zum Anlass meiner "graduation" (auf deutsch: Zeugnisuebergabe) dazu entschlossen, sich gemeinsam auf den Weg nach Australien zu machen. Das ist in etwa so, als wenn ABBA sich entscheiden auf eine Revival-Welttournee gehen. Eine durchaus wagemutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass sie vermutlich seit ueber 25 Jahren keine gemeinsamen Reise mehr unternommen haben. Der aufmerksame Leser wird natuerlich auch gleich erkennen, dass es den Umkehrschluss ebenfalls zulaesst: der Basti war auch noch nie (bewusst) mit beiden "on the road". Es versprach also spannend zu werden, und nach 3 Tagen Eingewoehnungszeit in Sydney (hier noch mit der Ane und nur ein wenig Regen und vielen Espresso-Stopps in den lokalen Cafes) ging es dann fuer Mutter-Vatter-Kind los Richtung Sueden.


Regen im Botanischen Garten


Besuch beim Governor von New South Wales im Old Government House

An dieser Stelle gleich schonmal die Warnung, dass es eine grosse Anzahl Bilder durch die Roebel-Hermann'sche Qualitaetskontrolle geschafft haben. Wir waren uns aber einig, dass es immer schoener ist, wenn man die Bilder im Text anschauen kann und nicht nur in einer Diashow, wie sie am Rand des blogs zu finden sind (Lesermeinungen dazu waeren von grossem Interesse fuer uns).

Der erste Stopp unserer Reise sollte die Hauptstadt Canberra sein. Die Stadt wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts gegruendet, mehr oder weniger als Kompromiss zwischen den beiden Rivalen Melbourne und Sydney (man konnte sich tatsaechlich nicht auf eine der beiden Metropolen als Hauptstadt einigen). Die Architekten Walter Burley Griffin und Marion Mahony Griffin gewannen die Ausschreibung die Stadt zu entwerfen, und entschieden sich fuer eine sehr geometrische Anlage mit vielen in die topographische Lage eingepassten Symmetrieachsen, Kreiseln, Dreiecken und Sechsecken. Dazu noch eine Unmenge von Parks und einen kuenstlichen See in der Mitte und fertig war eine gruene Hauptstadt.


Blick auf Lake Burley Griffin mit Stadtplan


Denkmal fuer den Entdecker der Ostkueste Australiens, Captain James Cook


National Carillion (Turm-Glockenspiel)


Sogar die Baenke haben einen kuenstlerischen touch in Caberra


Blick von Mount Ainslie

Vom kulturellen Standpunkt gibt es unheimlich viel zu sehen in Canberra. Die Stadt ist voll von Museen und Galerien, die zur Freude der Besucher meistens auch noch kostenlos zu besuchen sind. Dazu gibt es natuerlich noch diverse Regierungsgebaeude mit dem Parliament House als Highlight. Das alles ist eingebettet in die huegelige Landschaft und hat uns insgesamt doch ueberraschend gut gefallen. Das Parliament House hatte dann noch eine besondere Ueberraschung fuer uns parat, da wir genau zur richtigen Zeit fuer die "Question Hour" des Parlaments vor Ort waren. Dadurch konnten wir eine gute halbe Stunde vom Besucherbalkon aus dem Treiben im australischen Parlament zusehen. Man muss sagen, der Vergleich mit einem Kindergarten waere vielleicht etwas unfair - fuer die Kinder!!! Von voellig deplatzierten Zwischenrufen, unzaehligen Ermahnungen bis hin zu einer Stunde in der Ecke stellen (in dem Fall den Sitzungssaal verlassen) wurde alles geboten. Da sage nochmal einer, im Bundestag gehe es unzivilisiert zu. Wenigstens Julia (Julia Gillard, die Premierministerin) und ihr Gegenueber Tony (Tony Abbott, Oppositionsfuehrer) haben sich anstaendig verhalten ... Leider durfte man nicht photographieren im Plenarsaal, so muesst ihr Euch groesstenteils mit Aussenaufnahmen begnuegen.


Parliament House


Australisches Wappen und Flagge


Die Stimmung ist gut ...


Blick vom Dach des Parliament House (im Hintergrund: Mount Ainslie)


Eingangshalle des Parliament House

Insgesamt muss man aber auch zugeben, dass in dieser Stadt nicht unbedingt das pralle Leben tobt - solange man nur mit Museen und aehnlichem beschaeftigt ist, kommt man gut zurecht. Danach tritt dann das ein, was man vorher schon vermuten konnte, wenn man dem Ruf von Canberra Glauben geschenkt hat: gaehnende Langeweile! Aber soweit kam es zum Glueck bei uns nicht, denn wir sind rechtzeitig weiter gen Sueden gezogen. Zum Abschluss noch schnell ein paar Impressionen von den diversen Stationen unserer Stadtbesichtigung.

War Memorial


Gedenktafel im War Memorial


The Royal Australian Mint (Muenzpraegeanstalt)


Familie Hermann im Urlaub

Naechste Station unserer Reise war Thredbo in den Snowy Mountains. Die Wintersaison ist erst vor kurzem zu Ende gegangen und vor Ort war es auch noch entsprechend frisch, allerdings haben wir uns bei der Wohnungssuche nicht aufs Glatteis fuehren lassen. Nach einer kurzen Besichtigung einer (vornehm ausgedrueckt) unzureichenden Herberge, fanden wir doch ueberraschend schnell eine wunderbare Alternativ-Behausung, in der wir zwei schoene Tage verbringen konnten.


Lounge mit Kamin


Balkon mit Ausblick


Weiterhin gute Stimmung, da der Papa sein Zimmer nicht aufraeumen musste ...

Thredbo ist eigentlich ein Wintersportressort und orientiert sich in seiner Anlage sehr an den europaeischen Vorbildern in den Alpen. Wie wir erfahren haben tobt hier auch im Winter der Baer (inklusive Apres-Ski ). Um diese Jahreszeit war es aber extrem ruhig, und es diente uns als idealer Ausgangspunkt fuer den wort-woertlichen Hoehepunkt unserer Reise: die Besteigung des Mt Kosciuszko, mit 2228m der hoechste Berg des australischen Festlands (hoehere Berge gibt es unter anderem in den australischen Territorien in Antarctica und auf Heard Island im Indischen Ozean). Als ordentliche Touristen haben wir uns dann am Morgen natuerlich zunaechst einmal mit dem Sessellift auf gut 1900m tragen lassen (und haben dadurch rund 600 Hoehenmeter gespart). Schoene Ausblicke hatte man dabei aber allemal ...


Blick auf Thredbo


Die Sonne scheint ...


Skipisten wohin man auch blickt


In 2002-03 abgebrannte Landschaften - von der Natur langsam zurueckerobert


Bestens ausgeruestet und bei guter Laune

Oben angekommen lag dann noch ein knapp 7km langer Fussmarsch zum Gipfel vor uns, der allerdings durch unzaehlige Schneefelder zu einer mittelgrossen Herausforderung (vor allem an das Schuhwerk) wurde. Man bekommt dort oben aber atemberaubende Landschaften geboten, die einen die nassen Socken leicht vergessen lassen.


Suchbild: Man finde die Mutter :)


Ok, den Herrn Papa zu finden ist nicht sooo schwierig ...


Mt Kosciuszko National Park

Interessanterweise war fast der komplette Weg mit einer Art Gitter-Steg ausgestattet, so dass man die groessten Sumpfstellen muehelos ueberqueren konnte. Das ganze machte auch durchaus Sinn, denn durch die vielen Schneeflecken, die am abtauen waren, waeren sonst Wanderungen in der Gegend zu 11/12 des Jahres wohl nicht moeglich.


Nicht mehr weit ...


Solider Aufpasser am Ende der Reisegruppe


Beweisphoto


Und noch eins ...

Am Ende kamen wir doch unserem Ziel schneller naeher als gedacht, und nach der Durchquerung der letzen massiven Schneepiste standen wir dann auf dem Gipfel - was natuerlich zuenftig mit einer Brotzeit gefeiert wurde.


Mt Kosciuszko


Letzter Kilometer bis zum Schlussanstieg


Gipfelphoto


Alles was man wissen muss ...

Nach dieser schoenen Wanderung mussten wir die Snowy Mountains am naechsten Tag leider schon wieder verlassen, da ich am darauffolgenden Tag meine Eltern ihrem Schicksal ueberliess, und von Albury nach Sydney zurueckgeflogen bin. Der Grund war natuerlich ein sehr wesentlicher, naemlich eine Einladung zu einem Final-Interview bei einer meiner Bewerbungen. Leider liess sich dieser Termin nicht verschieben, und so musste ich wohl oder uebel in den sauren Apfel beissen. Unterwegs, auf der Fahrt an die Grenze von NSW nach Victoria, haben wir aber auf der Alpine Road noch einige schoene Ausblicke geniessen koennen und auch die Universitaetsstadt Albury hat mit einer lebhaften Innenstadt einen positiven Eindruck hinterlassen.


Blauer Himmel, lauschige Baechlein, verbrannte Baeume - aber alles auf dem Weg der Besserung


Snowy Mountains National Park - sehr zu empfehlen

Die Elternpartei ist dann noch ein paar Tage weitergereist. Zunaechst bei Nebel und Regen ueber die Great Alpine Road an die Kueste nach Lakes Entrance. Und danach dann bei besserem Wetter die Kueste entlang mit Stopps in Mallacoota und Tuross Head zurueck nach Sydney. Und was dort passiert ist, sowohl bei meinem Interview und danach dann beim entspannten Teil am Tag der Graduation, das erfahrt ihr in einem anderen Eintrag in den naechsten Tagen ... hoffentlich ;-)

Basti

3 comments:

Anonymous said...

hi basti, toller post und richtig klasse bilder!!!!

lass uns auf den nächsten bericht nicht so lange warte. lg susi

Anonymous said...

Lieber Basti, weiter so, unterstütze Deine Ane etwas beim posten. Es liest sich super und gefällt mir persönlich besser, wenn die Bilder dazwischen sind. Am Ende wären die Zusammenhänge schon längst wieder vergessen. Nun warten wir aber gespannt auf Deine Fortsetzung, Herr Dr. Basti! LG. Rosi

Anonymous said...

Hast recht, Sebastian, ich wollte mich schon beschweren, dass nichts mehr zu sehen/lesen gab von euch.
SO NICHT....

Aber sehr schöne Bilder und Infos.
Erholste dich jetzt von der Reise mit den Eltern, gelle??

Kölle lässt grüßen