Monday, 3 September 2007

Dazwischen Geschobenes

Zwar schreiten die Dinge hier in Sydney kraeftig voran und es sind auch schon einige Fotos der neuen Wohnung in Bearbeitung, aber wir wollen noch einen Nachtrag einsetzen: unser Stop-Over in Seoul. Um die Reise nach Australien etwas zu entzerren haben wir am 11. August mit Asiana Airlines in Frankfurt abgehoben und 2,5 Flittertage in Suedkorea verbracht. Asien ist fuer mich absolutes Neuland. Auch wenn Bastis Einschaetzung Seoul nicht als "echtes" Asien kategorisiert, die vielen kleinen Menschen, der Verkehr, die bunt blinkenden fremden Schriftzeichen und lustigen Laute der Sprache bilden fuer mich meine erste Asien-Erfahrung.


Ich werde mich wohl immer an die vielen engen Gassen, hohen Bordsteine und winzigen Geschaefte erinnern, die sich zwischen den hohen Bankgebaeuden draengen, erinnern. Auch die Hitze von 30 Grad mit literweise Regen, also das feuchtheisse Klima waren mir neu. Nicht so neu allerdings war die Fuelle an Geschaeften im Einkaufsviertel Myongdong - man findet jede noch so bekannte Kette - mal mehr, mal weniger original ;-)

Ganz ungewohnt waren dagegen die Maerkte und Einkaufsviertel, in denen die Koreaner ueberwiegend ihre Sachen verkaufen, z.B. in Dongdaemun oder im Pyonghwa Markt.


Da gibt es entweder kleine, krumme Staende zwischen kleinen krummen, dunklen Geschaeften, die alle das gleiche Angebot haben. Oder es gibt grosse mehrstoeckige Kaufhaeuser, in denen sich unzaehlige Staende aneinanderreihen und man in dem Labyrinth der Schuhbaendel-,Knopf-, Stoff- oder Waescheverkaeufer fast verloren geht - also nicht im geringsten mit einem Kaufhaus in unserem Verstaendnis zu vergleichen. Stickige Luft, geschaeftiges Treiben, dumpfe Stimmen... und das ueber 5 Stockwerke ohne Lageplan.

Oder ganz anders: man kann kilometerweit unterirdisch von einer U-Bahn-Station zur naechsten laufen und dabei einkaufen gehen. Viele Bereiche, v.a. unter den Hauptverkehrsstrassen durchs Zentrum, sind auf dem Stadtplan gelb markiert und verraten, wo man sich bei Dauerregen hinfluechten kann und trotzdem alles findet, was man sucht. Echt fortschrittlich, das ist unser Eindruck. Nicht umsonst kommt viel neue Technologie aus Suedkorea. Diese auch? (eine Hightech-Toilette mit Wasserstrahlen aus jeder erdenklichen Richtung, ordentlicher Belueftung, beheizter Klobrille und auch sonst allem erdenklichen Pi-Pa-Po ...)


An der Stelle muessen selbst die Fussgaengerampeln in Seoul gewuerdigt werden. Sie versichern jeden mit Hilfe einer Anzeige neben dem Ampelmann, wie viel Zeit noch bleibt, bevor das Signal auf Rot schaltet. Wirklich lobenswert, hilf- und einfallsreich, und behindertengerecht ;-)



Der Stadtplan laesst erahnen, dass es noch viel mehr Maerkte und interessante Einkaufsviertel gibt, als nur die den Touristen bekannten, wie Namdaemun. Aber unsere Zeit war sehr begrenzt und wir haben zu Fuss schon viel gesehen:

Lecker siehts zwar nicht immer aus, aber was wir probiert haben, war immer sehr schmackhaft, v.a. scharrrrrf! Hier in Sydney gibt es neben den vielen Thai-Restaurants auch den ein oder anderen Koreaner, bei dem man Dolsot oder Bi-Bim-Bah essen kann: verschiedene Gemuesesorten, Fleisch, Reis und ein rohes Ei oben drauf kommen in einem heissen gusseisernen Topf auf den Tisch und man vermischt selbst alles mit Sojasosse, waehrend das Gericht weiterbrutzelt. Dazu gibts immer kleine Schuesseln mit Chilikrautsalat oder Gurken oder suessen Kartoffeln oder Spinat oder oder oder. Nicht nur schoen anzusehen, sondern auch abenteuerlich im Geschmack!


Den besten Zitronentee gabs in diesem rustikalen Restaurant im Kuenstlerviertel Insa-dong. Dort haben wir fuer unsere letzten Won eine leckerdeftige Muschelsuppe und eine Schale Tee geschluerft, Postkarten geschrieben, bevor es am Dienstag abend (14. August) zurueck an den Flughafen ging.

Das Kuenstlerviertel selbst haben wir eher per Zufall entdeckt, als wir eigentlich einen Palast besuchen wollten, der leider aber geschlossen hatte: mit Regenschirm und hochgekrempelten Hosen haben wir am letzten Tag das Atelier- und Gallerienviertel erkundet, das sicherlich allein einen Wochenbesuch wert waere. Viele Laeden mit handgeschoepften Papieren, Buechern, Lampen, Skulpturen, Porzellan oder Designermode wechseln sich mit den Gallerien ab.





Dahinter und dazwischen immer wieder Restaurants und Cafes, die mit grossen Werbeschildern Kundschaft anlocken wollen.






Zum Glueck blieb ein Tag fast ganz trocken und so konnten wir einen der drei Palaeste anschauen, ohne die Sicht vom Schirm verdeckt zu haben: Changgyeonggung heisst der zweitgroesste Palast, der fuer meine Begriffe schon sehr stattlich war. Vor allem das grosse Parkgelaende, in dem er steht, liess keinen Zweifel, dass wir in Asien waren: die fremden Vogelstimmen und Baumarten, ueberall kleine Menschen mit Schirm (auch bei Sonne), der Geruch. Der Secret Garden nebenan war leider geschlossen, aber beim naechsten Stop-Over moechte ich ihn unbedingt sehen. Die anderen beiden Palaeste konnten wir aus gleichem Grund nicht besuchen, aber ich nehme an, mit Basti werde ich noch so einige historische Staetten in Asien kennenlernen. Lust auf mehr habe ich in jedem Fall bekommen!


Die Mischung aus alter und neuer Architektur ist in Seoul besonders spannend.


Zu guter letzt noch ein Lob auf unser Hotel, das wir an dieser Stelle weiterempfehlen. http://www.kukdohotel.com/ . Es ist nicht nur sehr modern und toll eingerichtet, sondern liegt auch so zentral, dass man alles Wichtige zu Fuss erreichen kann.


Unser Zimmer im 17. Stock hatte eine grandiose Aussicht, die wir tags und nachts genossen haben:


Vom Flughafen faehrt ein Linienbus das Hotel direkt an, Tickets sind guenstig und man kann die 60Minuten Fahrtzeit auf einem Flachbildschirm koreanische Nachrichten sehen, sitzt sicher angeschnall in ledernen Baenken und bekommt obendrein als ungeuebter Europaer dank Klimaanlage nicht sofort Atemnot bei heisser Luft mit ueber 90% Luftfeuchtigkeit.

Unsere Flittertage konnten wir ausserdem nutzen, um uns an die australische Zeitzone anzunaehern und so war der 10-stuendige Flug nach Sydney keine grosse Huerde. Basti koennte jetzt was zu seinem Ranking der Airline sagen, aber wir machen es kurz: Asiana ist als 5-Sterne-Airline eine lange Reise wert.

Da faellt mir ein: solltet ihr mal nach Sydney fliegen, dann waehlt doch spasseshalber eure Sitze auf der rechten Seite am Fenster aus. Mit etwas Glueck koennt ihr kurz vor der Landung einen Blick auf unsere Terrasse werfen, von der aus wir euch dann zuwinken ;-)

Die Werbung fuer Suedkorea soll hiermit beendet sein. Uns hats sehr gefallen!


i. A. KoreAne

1 comment:

Anonymous said...

Man oh man, dass sind ja interessante Bilder und Beiträge. Erst mal zu Südkorea: sieht/hört sich ja phantastisch an. Eine ganz andere Welt. Na ja, die beheizte Toilette.... Ich muss sagen, ein interessanter Touristenbeitrag.
Mit eurer Wohnung habt ihr ja wohl einen Glückgriff gemacht. Der Eingangsbereich sieht wirklich edel aus und die anderen Räumlichkeiten gefallen mir auch. Ihr habt ja einen großen Balkon. Ich nehme an, im Sommer wohnt ihr dort. Die Aussicht über Sidney ist auch nicht zu verachten.
Wenn ich das alles sehe, könnte ich mich ins Flugzeug setzen - natürlich an die Seite, wo euer Balkon zu sehen ist - und los fliegen. Aber, aber....
so bleibe ich erst mal in Kölle,
wo zur Zeit Herbstwetter herrscht. Nehme an, im Oktober bis Dezember kommt nochmals der Sommer. Hoffentlich bekommt ihr bald euren Internetanschluss - aber da zu euch nicht Telekom hinauskommt, geht das bestimmt in Ordnung. hihi
Ganz liebe Grüße