Thursday, 13 September 2007

Zeit für eine neue Kategorie

Jippi! Endlich auch das ganze WeltWeiteWeb bei uns zu hause. Entgegen all unseren Erwartungen, wurden wir pünktlich gestern abend mit der virtuellen Plattform verbunden, ganz ohne Probleme oder Zahlendreher. Unser persönlicher Netzwerkadministrator/Koch/Mitbewohner Markus hatte vor 2 Wochen alle Voreinstellungen eingetragen und dann hieß es warten. Jetzt könnt ihr uns also via Skype beim Krümel-vom-Teppich-kratzen, Sonnenbaden oder Grillen zusehen. Na gut, ganz so wie in der "Truman Show" soll unser Leben hier unten ja nicht werden. Aber Basti und ich freuen uns sehr, dass offensichtlich viele liebe Menschen rund um den Globus unsere Einträge verfolgen und mit Emails, Kommentaren oder netter Post ihr Feedback ins zivilisierte Outback senden - Baie dankie/merci/grazie/thanx.

Die Gelegenheit ist gut, um euch eine neue Kategorie vorzustellen: "Skurriles aus Koalaland". Immerhin fallen einem an fremden Orten ja die simpelsten Dinge auf, welche für Eingeborene oder länger Ortsansässige meist nur ein Kopfschütteln erzeugen. Ich meine Dinge/Vorgänge/Klänge/Düfte/Schriftzüge, die sich von den bekannten unterscheiden und mir in einem Monat wahrscheinlich auch nicht mehr komisch/ungewohnt erscheinen. Aber noch tun sie es, und darum möchte ich sie euch hier kurz beschreiben:

Da hätten wir zum Beispiel die Tatsache, dass Straßennamen nicht nur auf dunkelblauen Schildern an Straßenkreuzungen zu finden sind, sondern für den Fußgänger auch nochmal zusätzlich in den Beton gegossen sind. Wenn man also noch so sehr den Kopf hängen lässt, man weiß dank dieser Beschriftungsmaßnahme meistens wo man sich befindet.

Dazu fällt mir auch ein, dass Sydney über viel zu wenige innovative Straßennamen verfügt. Man sieht immer wiederkehrend die gleichen heldenhaften Namen wie "George Street", "Elizabeth St", "Howard St" und andere, die nur in Verbindung mit der richtigen Postleitzahl eine Hilfe sind. Und wehe, man weiß den Stadtteil (Suburb) nicht... Vielleicht soll das Straßenregister in einem gewissen erträglichen Umfang bleiben und somit suggerieren, dass Sydney gar nicht sooo groß ist.

Naja, aber über 4 Mio Menschen müssen ja trotzdem nachvollziehbar untergebracht sein. Das mit dem Nachvollziehen ist aber so ne Sache. An die Briefkästen kommen hier nämlich keine Namensschilder - man lebt anonym. Die Post wird nach Adresse und Apartment eingeworfen in der Hoffnung, dass die addressierte Person dort auch immer noch wohnhaft ist. Man vertraut wohl auf einen angeregten Austausch zwischen alten und neuen Bewohnern. So gehe ich z.B. alle paar Tage noch in die Valhalla, um nachzufragen, ob für Basti und Markus weiterhin Post ankommt. Dort landen wöchentlich auch zahlreiche Briefe an längst verschollene Ex-Mieter. Keiner kennt sie, keiner weiß wo sie jetzt wohnen. In Anbetracht dieser Tatsache, kann man schonmal um wichtige Briefe bangen, v. a. wenn man kürzlich umgezogen ist und nach wie vor auf Post von der Bank wartet....

Achja, Einbahnstraßen sind hier übrigens auch sehr beliebt. Alle Kölner dürften damit also bestens klarkommen. Wenn man allerdings ohne U-Turn auskommen will ist nicht nur Ortskenntnis, sondern auch Fahrkunst gefragt, denn es herrscht LINKSverkehr. An den hab ich mich busfahrenderweise schnell gewöhnt. Auch beim Überqueren von Straßen riskiere ich nicht mehr mein Leben, sondern schaue immer brav erst nach rechts, dann nach links. Leider stimmen so manche Bezeichnungen auf Fußwegen nicht. Ähnlich wie die Straßennamen sind nämlich an gefährlichen Kreuzungen für Fußgänger auf den Fußweg Hinweispfeile in der Art: " Look ->" gedruckt. Wie gesagt, sie sind allein in unserer Gegend nur etwa zur Hälfte von Nutzen. Für die anderen 50 % Sicherheit sollte man auch seinem Gehör vertrauen und ab und zu den Kopf heben.

Kürzlich gesehen hab ich diese Aufschrift auf einer Hausfassade:



Die Aborigine-Flagge ist in der Stadt häufig zu sehen. Zur Zeit campieren mehrere Aborigines im Park vor der Uni, machen Lagerfeuer und singen manchmal. Ich habe noch nicht herausgefunden, welche Art von Protest sie ausdrücken, aber man sagte uns, sie tun das regelmäßig jedes Jahr an der gleichen Stelle.

Ein anderes Schild, das mir schon häufiger begegnet ist:



Bastis Freund Alex hat mir versucht seine Bedeutung so zu erklären: manche Stadtteile hätten beschlossen ihre Energie vollständig aus anderen Quellen als Atomkraftwerken zu beziehen. Das Schild soll darüber scheinbar Auskunft geben. Aber ich frage euch: welche erste Assoziation habt ihr bei dem Foto??? Meine ging in die Richtung "vielen Dank, aber ich dachte, es sei selbstverständlich, dass ich in einer Gegend wohne, die nicht mit nuklearem Material verseucht ist". Moderen Zeiten eben....

Was Schriften betrifft, so haben die Ozzys eindeutig einen Faible für Comic-Letter. Ihr kennt alle diese Schriftart aus z.B. Word? Ist vielleicht mehr amerikanischer Stil, aber in jedem Fall findet man diese glubschig-dicken, nach Attention schreienden Buchstaben an vielen Hauswänden, in Prospekten, an Ladentüren oder vor Verkaufsständen. Dadurch wirken vielen Straßenzüge sehr bunt, man wird von Werbesprüchen verfolgt und ständig gibts "Sales, Bargain Offers, Specials, ...". Von Radiowerbung soll hier erst gar nicht die Rede sein. Advertisement wird jedenfalls sehr groß geschrieben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Um die vielen Rabatt-Aktionen waren wir an der ein oder anderen Stelle bislang aber auch dankbar. Wie gut hat es sich beispielsweise getroffen, dass wir unsere Gartenmöbel und BBQ am Vatertag gekauft haben. Soooo viele Angebote speziell für "DAD". Zwar ist Basti noch längst nicht Vater, aber die Vergünstigungen haben wir dennoch bekommen. Nun gibt es diese Woche ausgerechnet einen ähnlichen Grill im Sonderangebot bei ALDI. Dabei hält sich ALDI mit Werbeslogans ganz bescheiden, nach dem bekannten Firmenmotto "Weniger ist mehr". So auch hier kaum Werbung, aber alt bekanntes Sortiment. Irgendwie ein Stück Heimat :-) Nur, werden in Deutschland auch Immobilien von Aldi gesucht und verkauft???



Noch ein Stück Heimat gabs gestern bei einer gewerblichen Ausstellung an der Uni: "gerMANY faces". Der DAAD hatte seine Stipendiaten schon für den Vortag zu Vorträgen rund um Innovationen made in Germany eingeladen. Wir haben der kleinen Messe gestern einen kurzen Besuch abgestattet und mussten schmunzeln, denn die bekannten deutschen Klischees zierten den Eingangsbereich: Freibier und Bratwürste für alle, dazu Blasmusik vom feinsten und 2 VW-Ausstellungsautos. Drinnen stellten sich dann sämtliche großen Firmen aus Deutschland vor, wie Lufthansa, Siemens, Zeiss, Braun, oder auch die Deutsche Welle, der DAAD, das Goethe Institut. Tja, war interessant, Werbung für die eigene Heimat zu sehen. Und die Gratisspeisen haben auch gemundet.



Der Videoausschnitt zeigt Bastis Bürokollegen James (links) aus Sydney und Robert (mitte) aus Hamburg. So sieht also eine ihrer "Denkpausen" aus, jaja ;-)



Und was ist sonst noch anders hier unten?
- Ich hab noch nicht rausgefunden, ob das Wasser wirklich andersrum in den Ausguss fließt, aber manche Türen muss man entgegen meiner Gewohnheit zu- bzw. aufschließen.
- Die Bäume sehen anders aus, die Vögel klingen anders und es kann schonmal vorkommen, dass einem abends auf dem Unicampus ein Possum begegnet.



- Und Rätsel gibt mir auch die hiesige Kaffeekultur auf. Die Bezeichnung für einen Cappuccino ist immerhin die gleiche wie in Deutschland. Aber für alles andere muss ich neue Vokabeln lernen und manche Kreation trinken, die ich nicht genau identifizieren kann. So ist ein Espresso hier besser bekannt als "short black", ein normaler Kaffee heißt oft "long black". Ein Milchkaffee könnte eine "Latte" sein, während eine dünne Schicht Milchschaum auf dem Kaffee (oder isses Espresso?) als "Flat white" verkauft wird. Viel Milchschaum gibts auf dem Cappuccino oder heißt "Macchiato"... ach, vielleicht verwechsel ich doch noch alles. Irgendwann weiß ichs dann und kann jedem Besucher bei der Übersetzung helfen.


So, das waren einige erste Eindrücke aus Down-Under. Andere skurrile oder ungewohnte Erlebnisse werde ich an gleicher Stelle zu späterer Zeit entlarven.


2 comments:

Anonymous said...

Boaaaahhhh, so viel Kultur. Für mich Kulturbanause ja das richtige. Jetzt habe ich wenigstens mal was von der "Stolen generation" gehört. Bisher kannte ich nur den Weihnachtsstollen. hihii... Ich sag ja, Kulturbanause.
Aber Juliane, ich muss Sebastian mal in Schutz nehmen, wegen seinem Sportinteresse. Kann ich nachvollziehen. Das die Frauen der Nationalelf das Finale bestreiten am Sonntag müsste dich doch auch ans Fernsehen locken. ODER???
Vom FC schreibe ich lieber nix, außer: Et hät noch immer jot jejange. Aber es ist schon "traurig". Seit Jahren hoffe ich, dass der FC eine gute Mannschaft zusammen bekommt. Aber.... Ich hoffe, ich darf es noch erleben!!!
Sebastian, für dich hat es mich gefreut, dass Jena 3 Punkte eingefahren hat. Die Freude hatte ich dann auch noch diese Woche, mit dem HSV.
Zum Kölle-Wetter ist so viel zu berichten, dass wir Wasserball spielen können in der ganzen Stadt.
Liebe Grüße an euch und Mecki

Anonymous said...

Ach neeeeeeeeee, habe den Kommentar wieder auf die falsche Seite gesetzt!!!!! Sollte unter den Kulturbeitrag