Friday, 23 November 2007

Wochenrückblick

Hallo fleißige Leser aus Übersee!

Nachdem die letzten Infos schon wieder 10 Tage alt sind, wird es Zeit für einen kurzen Rückblick. Nunja, spektakuläre Ausflüge gab es in der vergangenen Woche nicht. Stattdessen haben mich die Bazillen der Kinder geküsst und mir eine knappe Woche unfreiwilliger Auszeit im Bett beschert. Da konnte Basti zum ersten mal seine pflegerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen ;-) Nun bin ich wieder auf den Beinen, wenn auch mit dünner Stimme, und wundere mich, wo die Woche hin ist. Arbeitsausfall und noch das Ergebnis, dass ich das australische Stipendium nicht erhalten habe - das sind keine fröhlichen Nachrichten für diese Woche.

Gute Nachricht aber ist, dass ich vor kurzem ein weiteres Auslandsstipendium von der Studienstiftung des deutschen Volkes für nächstes Jahr zugesagt bekommen habe. DAAD und Studienstiftung haben sich auch bereits über die Verrechnung der Gelder geeinigt, sodass ich zwar (leider) nicht beide Stipendien in voller Höher erhalte, aber doch eine faire Unterstützung von beiden Seiten bekommen werde. Das alles startet im Februar und läuft für ein Jahr. Danach heißt es Verlängerungs-Anträge schreiben, damit ich auch das zweite Studienjahr noch beenden kann. Erst mal bin ich froh, dass diese beiden mir/uns ein Stipendium schenken und gestern haben Basti und ich auch direkt an einem Stipendiaten-Treffen des DAAD hier in Sydney teilgenommen. Ok, Basti ist ja ein alter DAAD-Hase, aber für mich wars neu. Zwar sind nur etwa 15 Leute gekommen, aber dadurch hatte man gute Chancen, sich mit vielen etwas näher auszutauschen. Sehr interessant womit sich manche Menschen beschäftigen ... Evolutions-Biologie, Dokumentarfilm, Quantenphysik, Sportsoziologie, Kognitionswissenschaft... Fast die Hälfte der Leute kam aus Sydney selbst - immerhin hatten wir ein Heimspiel, 3 reisten extra aus Neuseeland an und der Rest kam aus überall. Nach einem Treffen in der ältesten Uni Australiens (ja genau: Bastis Uni) mit dem DAAD-Koordinator aus Sydney, bekamen wir eine ungewöhnliche Stadterkundung von zwei Deutschstudenten. Sie hatten in mehreren Semestern eine Stadtführung ausgearbeitete, bei der Orte in der ganzen Innenstadt angesteuert werden, die irgendwie im Zusammenhang mit Deutschland stehen. Deutsche Technik, Mode, Wissenschaft, Geschichte, Politik, deutsches Handwerk und Design wurden darin eingebunden. Den Nachmittag haben wir dann mit Diskussionsgruppenarbeit und Präsentation im Goethe-Institut verbracht. Und am Abend gabs Vorträge vom (bayrischen) Generalkonsul aus Sydney und einem Lufthansa-Chef. Zwischendurch Häppchen und viel Zeit zum "networken" oder auch "socialisen". Zum Schluss haben wir alle Herrn Steinmeier für die großzügige Einladung gedankt - wenn auch nicht persönlich - (der DAAD finanziert sich zum Teil aus Mitteln des Auswärtigen Amtes) und einige neue Emailadressen und Handynummern mit nach hause genommen.

Und sonst? Ein neues Wochenende steht vor der Tür und mit ihm eine wichtige Wahl: Australien wählt ein neues Parlament und einen neuen Premierminister. Die Werbung im Fernsehen wird derzeit nur noch von zum Teil sehr plakativen und provokativen, wie auch einfach gestrickten Werbespots der Parteien bestimmt. Wahlplakate und Handzettel im Briefkasten, viele Debatten in Radio und Fernsehen. Es herrscht WahlPFLICHT in Australien und man kann sich der Spannungssteigerung kaum entziehen. Nunja, wir sind ja nicht wahlberechtigt, schauen also nur stirnrunzelnd dem Zirkus zu und werden den Samstag morgen im Fernsehen verfolgen. Sollte der amtierende Premierminister Howard (Liberal) weiter im Amt bleiben, dann hätten die Vertreter der Labour-Partei ganz schön viel Wind um einen Regierungswechsel aufgeworfen. Sie geben sich insgesamt als moderner und umweltbedachter aus, wollen neu in Bildung investieren und z.B. das Kyoto-Protokoll unterschreiben. Eine Frage wird sein, ob die Australier, so flexibel sie in vieler Hinsicht sind, einen derart neuen Veränderungskurs unter Rudd (Labour) tatsächlich verkraften und akzeptieren würden. Womöglich ist es doch ein sehr konservatives Völkchen?! Nunja, abwarten... und - genau! - Tee trinken (gute englische Tradition und gut für meinen Hals sowieso :-)

Der Tag nach der Wahl wird gleich morgens mit einer Weihnachtsparade in der Stadt eingeläutet. Ich stells mir recht karnevalistisch vor und natürlich ist es zu früh und natürlich ist es zu warm und zu kurios für sowas. Aber die Stadt ist bereits so auf Weihnachten getrimmt, dass ich glaube, der Sommertouristen-Schwung trifft bald ein. Immerhin starten Anfang Dezember die (Semester-) Ferien. Unsere Kindergarten-Kinder werden ihre Weihnachtsfeier aber erst Mitte Dezember halten, bis dahin sind Basti und ich auch aus unserem geplanten Kurzurlaub zurück. Dazu aber an anderer Stelle mehr :-)

Zum Schluss möchte ich ein herzliches Dankeschön für alle Kartenschreiber anbringen. Wir freuen uns weiterhin über jeden Brief und jede Nachricht und ich glaube auch, bis auf Franzis Post, kam alles an. Was Pakete angeht, so muss ich wohl doch nochmal sagen, dass die Behördern auf australischer Seite sehr "schnüfflerisch" veranlagt sind: wenn auch nur organische Produkte wie Tee oder Müsli usw. gewittert werden, dann reißt das Quarantäne-Amt schonmal jedes noch so zierliche Päckchen in Stücke, schnüffelt drin rum und verklebt es anschließend notdürftig. Auf die Art habe ich nun schon Post-in-Fetzen erhalten und es ist schade um eure Mühe. Also lieber vorher auf der folgenden Homepage nachsehen, ob man verschicken darf, was man gern verschicken will: http://www.daff.gov.au/aqis/mail/cant-mail

In Kurzform kann man sagen: verboten sind Fleisch und Fleischprodukte, Milch, Eier und Eierprodukte, Samen, Körner und Nüsse, pflanzliche Produkte wie Trockenblumen, Potpouri, Kräuter, oder Geschenke aus Stroh, sowie pflanzliche Medikamente und hölzerne Produkte. Außerdem nicht einführen darf man Labor-Materialien, lebende Tiere und Tierprodukte, sowie frische oder getrocknete Früchte. Selbst die Verpackung sollte keine Spuren der genannten Dinge enthalten, weil per Röntgen und Spürhunden alles rausgefischt wird, was verdächtig erscheint. Man hat einfach zu viel Angst vor eingeschleppten Krankheiten, Seuchen und Insekten. Und selbst für die Weihnachtszeit gibts ne extra Warnung: keine Weihnachtskuchen oder Plätzchen, keine Trockenobstbrote, Kiefernzapfen oder Tannengrün, Mistelzweige, Käse, Nüsse oder Salami (interessante Mischung) per Post verschicken. Bei Einreise per Flugzeug sin die Behörden bekanntermaßen noch strenger: dreckige Wanderschuhe können da leicht in Quarantäne landen. Soviel Warnung an alle, die sich demnächst nach Australien aufmachen - Miriam, Heike, Sonja, Milos. By the way: Ich freu mich, euch bald hier zu treffen!!

Für heute genug Information. Komisch, dafür, dass nix passiert ist, ist der Bericht doch schon wieder recht lang *zwinker*. Lasst es euch gut gehn am letzten Novemberwochenende. Bis bald,
Heiserane

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