Monday, 6 July 2009

Besuch der Kolonialzeitgeister

Aus unserem Winter senden wir liebe Grüße zu euch. Wir haben das sonnige Wochenende genutzt, um uns wieder mal eine der historischen Stätten anzuschauen, die Sydney's Kolonialgeschichte verkörpern. Das älteste europäische Dach, die ältesten Farmen oder das älteste importierte Handwerk, immer wieder finden wir Daten und Fakten in der australischen Vergangenheit, die sogleich erstaunlich als auch manchmal belächelnswert sind. Weil sooooooo alt ist hier natürlich nichts. Ok, Elizabeth Farm wurde schon 6 Jahre nachdem die ersten Siedler hier ankamen, erbaut, also im Jahre 1793.

Gestern haben wir uns also zur Elizabeth Farm nach Parramatta aufgemacht und die Überreste des Anwesens sowie das "living museum" des Farmhouses von Mrs Elizabeth Macarthur besucht. Da alle Möbel und Accessoires nachgebildet sind, darf man sich guten Gewissens ans Klavier setzen oder die Decken und Matratzen des Himmelbettes des Gouverneur-Ehepaares nach Belieben untersuchen. Man bekommt einen Eindruck davon, wie weeeeeeit weg Australien damals von allem war bzw. wie beschwerlich der Weg zum Stadtzentrum von Sydney oder zum Hafen gewesen sein muss - nicht wie heute, wo man in 40 Zugminuten von A nach B fahren kann. Dazu die Klima-Umstellung für die britischen Auswanderer und ihr immerhin-immer-noch-halb-britischer Lebensstandard, den sie gleich mit exportiert haben, angemessen hin oder her.

Und wer ist Elizabeth? Sie war die Frau von einem Soldaten, John Macarthur, der es zu viel Ruhm als unangenehmer, eigensinniger Zeitgenosse und fälschlicherweise zu dem Titel "Vater der Wollindustrie" gebracht hat. Während er sich jedoch wegen diverser Zwischenfälle in England vor Gericht verantworten und seinen Ruf wieder herstellen musste, hat seine Frau viele seiner Geschäfte und die Farm geführt und nebenbei 9 Kinder großgezogen. Das alles auf einem Anwesen von mehreren tausend Hektar Land, 30 km vor der damaligen Siedlung Sydney. Später durfte sie ihren für geisteskrank erklärten Mann noch pflegen und überlebte ihn weitere 15 Jahre bis 1850. Danach wurde die Farm von einer Familie an die nächste übergeben, bis eine große Familie einzog, deren Töchter nicht heirateten, stattdessen das Haus über 60 Jahre lang zusammen bewohnten und es schließlich in öffentliche Hand verkauften, um es mit seiner Geschichte zu erhalten und zugänglich zu machen. Ein echtes Historienbewusstsein!

Mit unserer Jahreskarte für 12 historische Häuser/Anwesen und Geschichtsmuseen in New South Wales wollen wir noch so viel wie möglich von Sydney's Vergangenheit "besuchen". Hier ein paar bildliche Eindrücke von Basti











Quizfrage: Warum gibts so viele Türklingeln?











Wie schön warm es war in dieser Küche... und so urig.

Auf unserer Liste an historischen Häusern steht z.B. noch das alte Government House im Botanischen Garten, ein paar Villen mit Parkanlagen und Teepavilions in und außerhalb von Sydney oder das Police- and Justice Museum. Noch 9 Häuser in 9 Monaten. Wer mehr Interesse hat, kann www.hht.net.au/museums besuchen.

Zeitreisegrüße von Ane & Basti

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