Saturday, 28 February 2009

Neue Ordnung

.... meines Alltags stellt sich langsam ein. Zumindest ist der wöchentliche Stundenplan nun neu aufgesetzt und wurde diese Woche zum ersten mal erprobt. Erster Eindruck: abwechslungsreich, zweiter Eindruck: ganz schön intensiv! Die Erschöpfung am Ende einer Woche neuer Ordnung gehört wohl auch dazu, wenn man monatelang seine geistigen Kräfte nur auf das lenken konnte, was gerade vor dem Interessenfenster vorbei flog. Nun heißt es wieder: alle Kanäle spülen und zum Einsatz bringen, sowohl an meinen 3 Tagen im Krankenhaus, als auch an der Uni bzw. im Selbststudium zu Hause. Also: viel zuhören, zusammenreimen, fragen, hinterfragen, beantworten, suchen, anwenden, hinsehen, einfühlen, reinfinden, annehmen, ablehnen, anpassen, mitmachen, schnell schlafen, konzentriert lesen, ausgiebig beobachten und dabei Essen und Trinken nicht vergessen :-)

Auf Grund der Umstrukturierung im Krankenhaus ist immer noch große Ungewissheit in der Luft. Welches Personal bleibt, wer muss bald noch gehen? Wer bedient welchen Therapiebedarf? Außerdem wurde eine große Welle von Patienten entlassen, so dass es intensivere Gruppenarbeit gibt. Für mich als Neulingane ist Letzteres natürlich ideal. Ich habe mehr Zeit mich auf einzelne Themen und Therapieansätze einzustellen und lerne die Patienten in kürzerer Zeit vermutlich besser kennen, als wären es doppelt so viele. So oder so bin ich aber von der Fülle an neuen Informationen und Beobachtungen und Abkürzungen und internen Krankenhausabläufen und nicht zuletzt an bildlichen Eindrücken vom neuen Umfeld überwältigt. All das kann ich nur Stück für Stück verdauen und mir das nötige Grundwissen zum Thema Essstörungen und deren Behandlung auch nur Häppchen-weise aneignen. Glücklicherweise bin ich in ein sehr aufgeschlossenes und engagiertes Team aufgenommen und fühle mich in der neuen Umgebung bisher sehr wohl. Kunsttherapie ist dort seit vielen Jahren verankert, in jedem Jahr gibt es eine Praktikantin, zeitweise stellte die Klinik sogar eine Vollzeitkraft für Kunsttherapie ein. So muss ich meine Arbeit nicht groß erklären. Allerdings werde ich selbst erst in ein paar Wochen Therapieangebote aufsetzen. Bis dahin heißt die Devise Beobachten und Lernen.

Daneben warten meine zwei Online-Kurse auf Bearbeitung und die ersten Themen müssen bereits laut Zeitplan (der von der Uni vorgegeben wird) vorbereitet werden. Ich habe soweit ich konnte, zusätzliche Workshops belegt, um den Kontakt zu meinen Kommilitoninnen nicht ganz zu verlieren. Und so werde ich an 6 Samstagen der nächsten Wochen zum Campus fahren und mich mit Epistemologie (der Frage: woher wissen wir was wir wissen/wie wird Wissen und Wahrheit in Gesellschaften generiert?), Feminismustheorien, Kultur-/Identitäts- und Multikulturalitätsfragen, sowie Forschungsmethoden der Sozialwissenschaftenn und einzelnen Theoretikern wie Foucault u.a. auseinandersetzen. Im günstigsten Fall bin ich jeweils in der Lage sämtliche Themen auf meinen zukünftigen Beruf anzuwenden und zuzuschneiden. Das erscheint jedoch das Schwierigste zu sein und ist auch sicher nicht in einem Semester zu leisten. Wie dem auch sei: gutes Zeitmanagement ist diesmal unbezahlbar. Ich hoffe, ich kriege das hin. Andere dagegen jonglieren neben der Uni und ihrem Praktikum auch noch Teilzeitjob und Familie - da sollte ich mich nicht zu sehr fürchten.

Jetzt wisst ihr in etwa, wie meine Ordnung aussieht. Der Mensch ist schon ein Wunder an Anpassungs- und Umorientierungsfähigkeit.

Genießt ein schönes Nach-Karnevals-Wochenende,
Liebe Grüße von

Ane

1 comment:

Anonymous said...

Hey da hat Dich ja ein voller Alltag in den "Würgegriff" genommen. Aber wie unser Freund "Sid" schon immer sagte: "Du schafftst das schon, bist doch ein Tiger-Tatzi-Katzi". Grüßle aus San-Francisca Airportsche Dad