Thursday, 19 February 2009

Umstrukturieren



ist ein sehr zeitgemäßes Wort, findet ihr nicht? Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass es genügend Potenzial hat, das Wort des Jahres 2009 zu werden.

Das Wetter hat sich umstrukturiert: nachdem es uns durch einige nass-klamm-kalte Tage geschickt hat, trat plötzlich, ohne große Vorwarnung, ein heiterer Sommertag auf. So baumelt die Wäsche wieder fröhlich in der Sonne und wir haben Hoffnung auf noch ein paar warme Wochen im kommenden Herbst.

Ohne große Vorwarnung musste sich diese Woche auch mein zukünftiges Arbeitsteam im Krankenhaus umstrukturieren. Einige Therapeuten, auch die Abteilungsleitung, wurden gebeten zurück zu treten bzw. zu kündigen. Die gesamte Belegschaft muss sich nun also neu formieren, sortieren, von dem Schreck erholen und sicher noch einige Zeit lang dicke Luft ablassen, denn alles ging sehr schnell, ohne Begründung oder Ankündigung. Wirtschaftliche Entscheidungen fallen auch in sozialen und selbst christlichen Einrichtungen hart aus. Sie werden nicht in Watte gepackt, treffen langjährige Mitarbeiter, selbst Gründerväter eiskalt über Nacht. Leid Tragende sind dann nicht nur die zurück Gebliebenen, auf die unter Umständen mehr Arbeit zukommt, sondern vor allen Dingen die Patienten. Vertrauensverhältnisse kann man nicht einfach übertragen, das sollten auch Personalräte in klinischen und psychotherapeutischen Umfeldern wissen. Wie sagt man Menschen, die endlich Mut gefasst haben, sich Hilfe zu holen, sich jemandem anzuvertrauen und all ihre Kräfte zusammen kratzen, um in Therapie ihr Leben umzukrempeln, dass ab sofort andere Fachleute, Fremde, ihr grenzenloses Vertrauen haben möchten?! Drastischer, aprupter Wechsel von Bezugspersonen ist nicht nur bei Kindern eine heikle Sache. Die Konsequenzen wird man erst später sehen. Letzliche hängen auch "Unschuldige" mit an solchen Entscheidungen. Die zwei Psychologiestudentinnen, die letzte Woche bereits ihr Praktikum auf der Station angefangen haben, sehen sich über Nacht ohne Supervisor und können ihr Praktikum nun nicht durchführen. Ich bin zum Glück nicht betroffen, frage mich aber dennoch, welche Auswirkungen der Umstrukturierungsprozess auf meine Lernerfahrungen der nächsten 9 Monate haben wird. Womöglich bedeutet es, dass ich früher als geplant mehr als gewollt eingespannt werde und Gruppen leiten werde, deren Mitglieder ich kaum kenne. All diese und noch viel mehr Fragen werd ich mir ab nächster Woche in meinem Praktikum auf der Station für Menschen mit Essstörungen beantworten lassen.

Bis dahin strukturiere ich meinen Alltag langsam aber sicher auf Arbeiten und Studieren um. Die ersten Vorlesungspläne habe ich bereits im Internet eingesehen und mich vor dem auf mich zurollenden Pensum zu fürchten begonnen. Neue Ordnung wird sicher einkehren, ist nur eine Frage der Zeit. Ich freue mich auf die nächsten 14 Wochen, in denen ich neben den ca. 20 Stunden Praktikum (verteilt auf 3 Tage) drei Kurse belegen werde. Einer wird Praktikum-begleitende Supervision in Kleingruppen sein. Ein anderer führt in soziale und soziologische Theorien ein und wird überwiegend im Selbststudium über Internetmodule und Online-Diskussionen erarbeitet werden. Der dritte Kurs wird uns Methoden der Sozialforschung vermitteln. Alles Dinge, die ich ganz oder teilweise irgendwann in Köln schon mal gehört bzw. auch verstanden habe. Dennoch scheinen sie diesmal wesentlich nützlicher, in Anbetracht der Tatsache, dass wir alle am Ende des Jahres auf die Menschheit losgelassen werden und uns zu helfen bzw. unsere Arbeit zu rechtfertigen wissen müssen. Noch aber denken wir nicht an Bewerbungsgespräche, sondern daran, wie wir die Uhren dieser Welt langsamer ticken lassen können, damit uns die Zeit während des Semesters nicht wegrennt.

Soviel aus unserer Galaxie. Wir hoffen ihr findet euch in allen neuen und alten Strukturen gut zurecht. Liebe Ferien-Ende-Grüße von

Ane
&
Basti


2 comments:

Eva said...

Umstrukturieren. Verdammt nochmal: JA! Aber es ist so schwer, tut so weh. Vielleicht hilft Paris...

Drück dich, Ane!

Anonymous said...

Macht Euch nicht verrückt, das ganze Leben betseht aus Veränderung, das ist das andere Wort für Umstrukturierung. Egal wie es geannt wird, THATS LIFE. Zeit für Euch nun dem Arbeitsalltag näher zu kommen. Die Kunst ist denke ich, das man herausfindet wie man in & auf solche Situation reagiert, sie meistert und andere motiviert es nicht nur negativ zu sehen. Grüßle Dad